Fotografia © Kim Yong-kwan
Fotografia © Kim Yong-kwan
Fotografia © Kim Yong-kwan

Themenpavillon „One Ocean“

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Localització
Yeosu, South Korea
Any
2012

Der vom österreichischen Architekturbüro soma geplante Themenpavillon für die EXPO 2012 wurde in der südkoreanischen Hafenstadt Yeosu am 12.Mai eröffnet.
Das Projekt „One Ocean“ ging 2009 als Gewinner aus einem offenen internationalen Wettbewerb hervor. Ziel des Entwurfs war es, das Thema der Weltausstellung The living Ocean and Coast auf vielschichtige Weise zu verkörpern und für die Besucher erfahrbar zu machen. Das Vorhaben der EXPO einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen zu vermitteln, sollte nicht durch zeichenhafte Gesten repräsentiert, sondern architektonisch umgesetzt werden – etwa durch ein nachhaltiges Klimakonzept oder das biomimetische Prinzip der beweglichen Lamellenfassade. Die innovative Fassade wurde gemeinsam mit Knippers Helbig Advanced Engineering entwickelt und wird nun ganz im Sinne der EXPO als zukunftsweisende Weltneuheit der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Pavillon beherbergt die Themenausstellung und gibt den Besuchern eine Einführung in die Agenden der koreanischen Organisatoren. Im Obergeschoss befindet sich die sogenannte Best Practice Area, die unterschiedlichen Institutionen und Organisationen eine repräsentative Plattform bietet. Das permanente Gebäude wurde entlang einer neuen Promenade in einem ehemaligen industriellen Hafenbecken errichtet. Nach der Weltausstellung und Umnutzung wird es auch weiterhin eine Attraktion für Touristen und Einheimische bleiben.

Architektonisches Konzept
Die Architektur des Pavillons soll das Thema der EXPO – der lebendige Ozean und die Küstenregionen - mit räumlichen und atmosphärischen Mitteln begreifbar und erlebbar machen. Das zweifache Erleben des Meeres als endlose Oberfläche und im eingetauchten Zustand als Tiefe, inspirierte das Entwurfskonzept für die Ausstellungskörper. Kontinuierliche Flächen verdrehen sich von vertikalen Zylindern zu horizontalen Ebenen und generieren dabei zwei unterschiedliche Ausstellungsbereiche. Die multimediale Ausstellung in den vertikalen Betonkörpern lässt die Besucher in das Thema der EXPO gleichsam eintauchen. Die Best Practice Area auf den horizontalen Ebenen des Obergeschosses funktioniert hingegen als flexibler Ausstellungsraum für Innovationen aus Forschung und Technik.

Kontinuierliche Übergänge zwischen Gegensätzen prägen auch die äußere Erscheinung des Pavillons. Zum Meer hin gewandt erzeugt die dichte Anordnung der Betonkörper eine neue mäandernde Küstenlinie. Vom Land aus betrachtet erscheint das Gebäude als begehbare künstliche Landschaft mit geschwungenen Wegen und Aussichtplattformen. Das Dach wiederum verwandelt sich in die Lamellen der kinetischen Fassade, die sich dem Eingang der EXPO zuwendet und auch nachts die Aufmerksamkeit auf den Pavillon zieht.

Biomimetische Kinetische Fassade
Als Gegenpol zu den virtuellen, multimedialen Inszenierungen in der Themenausstellung erzeugt die kinetische Fassade, wie auch die gesamte Architektur des Pavillons einprägsame Erlebnisse durch analoge Mittel. Die beweglichen Lamellen kontrollieren tagsüber den Lichteinfall im Foyer und in der Best Practice Area. Einzeln angesteuert ermöglichen sie durch versetztes Öffnen und Schließen eine Choreographie von wellenartigen Mustern auf der gesamten Länge des Gebäudes. Nach Sonnenuntergang wird der visuelle Effekt der Öffnung durch LEDs verstärkt, die an der Innenseite der Lamelle eingelegt sind. In geöffneter Position strahlen die LEDs auf die jeweilige Nachbar-Lamelle. Das bionische Prinzip erzeugt so einen konsistenten Effekt: Geometrie, Materialeigenschaften, Öffnungswinkel und Licht greifen nahtlos ineinander - Je länger die Lamelle, desto weiter der Öffnungswinkel, desto größer die beleuchtete Fläche.

Die im Wettbewerb vorgeschlagene organisch anmutende bewegliche Fassade wurde während der Planungsphasen gemeinsam mit Knippers Helbig Advanced Engineering nach biomimetischen Prinzipien entwickelt. Die technische Umsetzung wurde von einem Forschungsprojekt am ITKE der Universität Stuttgart angeregt, das die Anwendbarkeit biologischer Bewegungsmechanismen im Gebäudemaßstab untersucht. Die elegante Öffnungsbewegung der kiemenartigen Lamellen basiert auf den elastischen Verformungseigenschaften von glasfaserverstärktem Kunststoff und wurde von Pflanzenbewegungen abgeleitet. Die kinetische Lichtfassade vereint somit technische Innovation mit einer überraschenden, sich wandelnden Präsenz und kommuniziert die Absichten der Expo auf emotional bewegende Weise.

Raumprogramm und Erschließung
Der Haupteingang befindet sich am Ocean Plaza, der durch die Auskragung des Gebäudes teilweise beschattet ist, um so eine Wartezone für die Besucher zu schaffen. Das Foyer ist zur Promenade hin als offener fließender Raum konzipiert, dessen Grenzen durch die verdrehten Flächen der Ausstellungskörper definiert werden. Zur Meerseite hingegen werden die Ausblicke auf den offenen Ozean durch die vertikalen Flächen und die dreieckigen Öffnungen gerahmt und inszeniert.
Die Ausstellungskörper wurden einer räumliche Sequenz folgend moduliert. Von den kleineren Zylindern der Preshow mit einer Raumhöhe von 6 Metern gelangt man in den 1000 Quadratmeter großen Raum der Main Show mit einer beeindruckenden Raumhöhe von 20 Metern. Von dort gehen die Besucher weiter in die intimeren Bereiche der Post Show und auf die schwimmende Plattform. Interessierte Besucher gelangen über Aufzüge in die Best Practice Area und auf das Dach.
Die Dachlandschaft erreicht man von der Promenade über den geschwungenen Panorama-Weg. Sie fungiert als dritte Ausstellungsfläche von deren höchsten Punkt man einen 360 Grad Ausblick über die umgebende Landschaft und das EXPO-Gelände hat.

Klimakonzept
Die Zwischenräume der Ausstellungskörper sind nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet um das Foyer und die Best Practice Area natürlich zu belüften. In den vertikalen Ausstellungsräumen wird mittels kontrollierter Luftschichtung das konditionierte Volumen verringert um Energie einzusparen. Tagsüber kontrollieren die Lamellen der kinetischen Fassade den Eintrag von Sonnenenergie. Solarpaneele am Dach versorgen den Betrieb der Gebäudetechnik. Die klimatischen Eigenschaften des Gebäudes wurden eingehend von den Ingenieuren von Transsolar analysiert. Mittels Simulationen wurde der Entwurf optimiert um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Effizienz zu erhöhen.

Architekt
soma (www.soma-architecture.com)
Team: Lukas Galehr, Christoph Treberspurg, Alice Mayer, Victorie Senesova, Alex Matl, Karin Dobbler, Kathrin Dörfler, Raimund Krenmüller

Lokaler Partner
dmp, Seoul

Lokale Vertretung
Ralf Zabl

Kinetische Fassade
Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart

Klima
Transsolar, Stuttgart

Klima (Wettbewerbsphase)
Jan Cremers, Stuttgart

Statik
Brandstätter ZT GmbH, Salzburg

Statik CD Phase
Jeon and Partners, Seoul

Licht
podpod, Wien

Licht CD phase
Bitzro, Seoul

Landschaft
Soltos, Seou

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